Talentir: Eine digitale Revolution für die Kreativwirtschaft
Februar 6, 2026|RW
Als im Jahr 2020 das Coronavirus das öffentliche Leben abrupt zum Erliegen brachte, traf es die Kreativbranche mit voller Wucht. Konzerte wurden gestrichen, Produktionen auf Eis gelegt, Einnahmen brachen weg. Die Krise legte offen, wie fragil die Strukturen sind, die Künstler*innen, Agenturen und Plattformen am Laufen halten. Zwei Visionäre sahen in der Krise eine Chance: Lukas Steiner und Johannes Kares gründeten das Finanztechnologie-Startup Talentir. Es setzt auf Blockchain-Technologie, um Zahlungsprozesse zu automatisieren und profitabler zu machen.
Die Krise als Katalysator
Erste Konzepte für eine digitale Abrechnungsplattform hatten die Gründer bereits vor der Pandemie entwickelt. Doch erst der plötzliche Stillstand der Branche verlieh dem Projekt Dringlichkeit. „Viele Kolleg*innen wussten nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen – die Unsicherheit war enorm“, erinnert sich Lukas Steiner. Die beiden Branchenkenner erkannten das Transformationspotenzial für die Kreativwirtschaft und nutzten die Krise als Katalysator. Ihre Idee: Geldflüsse dort zu optimieren, wo sie bislang langsam und intransparent abliefen.
Die technologische Basis bildet eine Blockchain-Lösung, die ursprünglich für die Abrechnung von YouTube-Einnahmen entwickelt wurde. Sie ermöglicht es, Erlöse nahezu in Echtzeit verfügbar zu machen. Das Prinzip dahinter: „Kapital, das sich ohnehin in Bewegung befindet, wird intelligenter verwaltet. Zwischen Ein- und Auszahlung liegen nicht mehr Tage oder Wochen, sondern ein smarter Prozess, der jede Transaktion optimiert und laufend verarbeitet. Das System ist so gebaut, dass es sich nahtlos in bestehende Strukturen integrieren lässt, regulatorisch sauber arbeitet und international skalierbar bleibt“, erklärt Steiner. Was mit einem kleinen Team und der Vision einer faireren, direkteren Vergütung begann, ist heute die Grundlage für eine neue Finanzinfrastruktur.
Drei Absagen und ein Lernprozess
Beide arbeiteten in gut bezahlten Positionen in der Musikindustrie. Mit dem ersten Lockdown wurde klar: Die Branche braucht einen Neustart. Der Entschluss war radikal, aber konsequent: Steiner und Kares kündigten ihre Jobs, um das Finanz-Tool der Zukunft zu bauen.Dreimal reichten sie ihr Konzept bei der Wirtschaftsagentur Wien ein und wurden dreimal abgelehnt. Rückblickend erwies sich diese Phase jedoch als entscheidend. Schließlich klappte es mit der Förderung und Talentir nahm Fahrt auf.
„Das Feedback seitens der Wirtschaftsagentur hat uns geholfen, unser Modell zu schärfen und den tatsächlichen Mehrwert für die Branche herauszuarbeiten. Ohne diese Phase wären wir heute nicht da, wo wir sind“
Lukas Steiner,
CEO - Talentir
Vom Fan-Investment zur Finanz-Infrastruktur
Ursprünglich war das Produkt als digitaler Marktplatz gedacht, über den Fans direkt in YouTube-Inhalte investieren konnten. Die Technologie funktionierte, prominente Acts wie Klangkarussell waren an Bord, und Bitpanda-CEO Erik Demuth investierte. Doch die Branche zeigte sich verhalten. Zu viele Akteur*innen, zu komplexe Entscheidungsprozesse.
Die Gründer reagierten mit einem strategischen Kurswechsel. Talentir verabschiedete sich vom Fan-Investment und fokussierte sich auf ein digitales Finanz-Backend für die Kreativindustrie. Der entscheidende Durchbruch gelang mit einem Algorithmus zur Echtzeit-Finanzierung. Denn Kreative stehen meist am Ende der Wertschöpfungskette und warten oft monatelang, bis Geld aus Streams oder Lizenzen ankommt.
„Was früher Excel-Listen, Mail-Chains und manuelle Freigaben waren, läuft heute automatisch: Rechnungen, Steuern, Währungsumrechnung und Payouts in einem einzigen Prozess. Das spart Zeit, senkt Gebühren und reduziert die Komplexität auf einen Klick.“
Lukas Steiner,
CEO - Talentir
Heute richtet sich die Technologie nicht mehr nur an Künstler*innen, sondern auch an Agenturen, Labels und Plattformen, die jeden Monat tausende Zahlungen managen.
Ob Plattform, Marke oder Creator-Netzwerk – wer regelmäßig auszahlt, kann mit Talentir denselben Mechanismus nutzen, der heute schon die größten Content-Payout-Systeme antreibt. Gerade in einem Umfeld sinkender Margen und zunehmender Volatilität trifft der Ansatz einen Nerv. „Geld ruht nicht mehr, es ist ständig in Bewegung“, sagt Steiner. „Mit Talentir machen wir Echtzeitauszahlungen zum Standard – und sorgen dafür, dass Kreativität pünktlich bezahlt wird.“
Weitere Infos: https://www.talentir.com/de
Leistungen der Wirtschaftsagentur Wien
Gefördert in der Förderung Innovation
Förderung Innovation